Unterwegs mit dem Eiswagen: Kindheitstraum wurde zum Beruf

Unterwegs mit dem Eiswagen: Kindheitstraum wurde zum Beruf

03.08.2016 WÜRZBURG

Unterwegs mit dem Eiswagen: Kindheitstraum wurde zum Beruf

Jeden Tag will Tobias Mai 1000 Menschen mit seinem Eis glücklich zu machen. Ein bisschen hat das der 40-Jährige auch schon geschafft.

 Die meisten Eltern würden schmunzeln, wenn der Sohn sagt: „Mama, Papa, ich werde einmal Eisverkäufer.“ Für Tobias Mai war es mehr als kindliche Träumerei. Der heute 40-Jährige hat eine Mission: Jeden Tag 1000 Menschen mit seinem Eis glücklich zu machen. „Das ist mein großer Traum“, sagt der mobile Eisverkäufer und schiebt seinen Wagen mit dem roten Schirmchen am Mainufer der Sanderau entlang.
Genau das habe Würzburg noch gefehlt, ist sich der Eismann sicher. Und die Schlangen vor seinem Verkaufsstand geben ihm recht.Begonnen hat alles vor knapp 30 Jahren. Der damals zehnjährige Bub besuchte mit seinen Eltern die Landesgartenschau, die 1990 in Würzburg stattfand. Am Eisstand standen Massen von Menschen und alle hatten ein Lächeln im Gesicht. Als kleiner Junge dachte er natürlich an das viele Eis, das er essen könne, lacht Tobias Mai. „Seit diesem Tag hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen.“ Jahrelang arbeitete der Würzburger bei der AOK und war dort für die Sozialversicherungen zuständig. Ein eher eintöniger Bürojob. Irgendwann stellte er sich aber die Frage, was er mit seinem Leben anfangen will. Da war er dann wieder: Der Traum, Eisverkäufer zu sein.„Bei mir gibt’s alle Sorten, die ich selbst gerne esse“, sagt er. Am allerliebsten hat er Eis mit vielen Nüssen in der Schokolade. Diese Begeisterung gibt er an seine Kunden weiter. Wenn er mit seiner mobilen Eistruhe am Main entlang fährt, recken die Badegäste schon ihre Hälse.

Leute wollen Geschichten hören

Auf seiner Facebook-Seite hat er 900 „gefällt mir“ und auch seine Internetseite „eisverkauf24.de“ hat viele Fans. Man merkt, dass er nichts dem Zufall überlässt. „Ich habe eine tolle Dienstleistung und eine tolle Idee, die dahinter steckt“, so Tobias Mai. Immer wieder haben ihn Leute angesprochen. Sie wollten die Geschichten seiner täglichen Arbeit hören. Und die erzählt er mit Freude.

Wie das Erlebnis, als er eine Gruppe körperlich behinderter Erwachsener glücklich machen konnte. „Oh, Eis, Eis, Eis haben alle gerufen“, sagt der Würzburger und lächelt dabei. Der Betreuer hatte aber nur etwas Kupfergeld dabei. Tobias Mai hat dann allen ein Eis ausgegeben.„Diese Freude, die ich dadurch weitergegeben habe – das war enorm.“

Er lebt vom Eisverkauf

Seit sechs Jahren verkauft er nun schon Eis. 2010 besorgte er sich sein erstes Eisfahrrad. Mittlerweile besitzt der Würzburger Eisverkäufer zehn Wägen, die auf mehrere Standorte verteilt sind. „Der Sommer ist hier begrenzt und auch die Verkaufstage am Main“, erklärt er. Deshalb erkauft sich der Geschäftsmann die Eisrechte auf Großveranstaltungen. Manchmal wissen die Besucher dort gar nicht, dass sie ein Eis essen wollen, schmunzelt Tobias Mai. Dann geht er mit seinem Bauchladen hin und führt sie in Versuchung: „Kennt ihr das, wenn ihr das erste Mal in die kalte Schokolade beißt und es knackt?“ Dann nimmt er ein Eis und macht einen Bissen. „Von dem Geräusch wird jeder überzeugt.“

Seit 2015 kann er vom Eisverkauf leben. Noch immer arbeite er daran, 365 000 Menschen im Jahr mit Eis zu verwöhnen. „Aber da ich das lebe und mein Team größer wird, komme ich meinem Ziel immer näher“, so der Eisverkäufer.

Die Leidenschaft und die Liebe zum Eis machen ihn wohl so erfolgreich. Wie Tobias Mai sagt, mache er das nicht wegen des Geldes. Seine 23 Mitarbeiter, allesamt Studenten, wollen natürlich bezahlt werden und am Ende will er sich auch mal was gönnen – aber in erster Linie will er seinen Traum leben. „Ich würde auch Geld investieren, um Menschen glücklich zu machen.“

Seine Tochter ist natürlich mächtig stolz, dass ihr Papa Eis verkauft. Auch seine Familie und seine Freunde haben es eingesehen, dass es der 40-Jährige ernst meint. „Am Anfang waren alle skeptisch. Keiner kann sich vorstellen, dass man davon leben kann“, sagt Tobias Mai nachdenklich. Er habe viel Lehrgeld bezahlt. Heute lebt er aber seinen großen Traum.

Von: Judith Küfner

 

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